Unser Appell: Ein Schritt zurück für zwei Schritte vor

admin | 8. März 2021

Wenn man uns fragt, warum wir Equaletics gegründet haben, nennen wir immer zuerst idealistische Gründe. Sowas wie: Wir wollen mehr Chancengerechtigkeit (im Sport), weil es das Richtige ist und die Zeit sowieso schon längst reif. Wir wollen, dass jede*r so sein kann, wie er*sie ist und Diversität fördern. Wir wollen Stereotypen abbauen. Und so könnten wir immer weiter machen.

Und tatsächlich wollen wir all das. Weil wir selbst die Erfahrung gemacht haben, wie es ist, nicht ernst genommen zu werden oder benachteiligt wurden zu sein, z.B. aufgrund unseres Geschlechts. Und weil wir uns selbst als aufgeklärte, weltoffene Menschen bezeichnen würden, die in einer entsprechenden Welt leben möchten.

Aber es gibt auch eine Motivation, über die kaum geredet wird, denn sie ist deutlich weniger nobel: Das eigene Ego. Es ist schon kein schlechtes Gefühl interviewt zu werden, bei Podcasts zu Gast zu sein oder als Expert*innen bezeichnet zu werden. Und wenn wir die Wahl hätten, ob der Sport morgen ohne unser Zutun plötzlich chancengerecht ist oder erst in einem Jahr, aber wir einen maßgeblichen Anteil dazu geleistet haben, würden viele von uns zumindest kurz zögern. Mit jedem kleinen Erfolg wächst das Selbstbewusstsein und das ist allgemein etwas sehr Gutes. Es braucht Personen, die sich für genau solche Themen einsetzen und wenn man etwas erreicht, darf und soll man sogar stolz auf sich und das Geleistete sein. In vielen Fällen gibt es kaum eine bessere Motivation als Erfolge und sichtbare Fortschritte. Gerade Frauen* und andere benachteiligte Gruppen werden oft nicht nur klein gehalten, sondern reden sich auch selbst klein. Deswegen: Seid laut und stolz!!!!

Problematisch wird es nur, wenn unser eigenes Ego uns im Weg steht und wir in Muster verfallen, die wir laut anprangern. Wenn wir angeblich für alle Frauen* und Benachteiligte sprechen, aber eigentlich nur für eine kleine privilegierte Gruppe. Wenn wir blind für die Probleme anderer werden, wie von Menschen mit Behinderungen, LSBTIQ+ Personen oder People of Color. Oder wenn wir uns in den Vordergrund drängen und uns als Expert*innen von Themen bezeichnen, obwohl wir genau wissen, dass andere deutlich mehr darüber wissen. 

Auch wir sind nicht frei davon und merken immer wieder, dass wir stolpern. Dass unsere Sprache zu akademisch ist, wir Probleme ausblenden, unser Ding alleine machen oder dass wir vielleicht doch für weniger Menschen sprechen als wir uns eingestehen wollen.

Daher unser Appell – sowohl an uns selbst als auch an alle anderen da draußen: Seid mutig, seid laut, engagiert euch, aber zieht euch im richtigen Moment auch zurück und überlasst anderen die Bühne, wenn es angebracht ist. Hinterfragt euch und überlegt, ob ihr vielleicht während ihr die einen Mauern einreißen wollt, neue aufbaut. Und lasst fünf auch mal gerade sein. Setzt euch nicht nur für euch, sondern auch für Gleichgesinnte ein. Beantwortet Anfragen, auch wenn die Antwort nicht immer ja sein kann. Gebt auch weniger bekannten Gesichtern eine Chance und Stimme und überlegt bei Anfragen und Projekten, wen ihr noch mit ins Boot holen könnt. Nutzt die Synergieeffekte, denn auch wenn man sich manchmal alleine fühlt: Es sind viele tolle, engagierte Personen und Organisationen da draußen, die genau das Gleiche wollen wir ihr. Denkt immer daran: Wir nehmen uns nichts weg, sondern jeder kleiner Erfolg Einzelner ist ein Erfolg für alle. Am Internationalen Frauenkampftag und darüber hinaus! 


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